Das „mittelste“ Bibelwort der traditionellen „Sieben Worte Jesu am Kreuz“ steht im Markusevangelium des Neuen Testaments, Kapitel 15, Vers 34:

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

- Dies ist wohl der unfassbarste Satz des ganzen zweiten Teils unserer Bibel! Gerufen kurz vor seinem Tod von Jesus von Nazareth, dem Zimmermannssohn.
Zwei schwere Vorwürfe hatten ihn das Leben gekostet: dass er der (neue, eigentliche) König von Israel sei und dass er Gottes Sohn sei. Beides hat er selbst bestätigt. Beides zog das Todesurteil nach sich.
Was aber geschah da eigentlich, als dieser Jesus – Christus rief: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? – Ja, er schrie in seiner Todesnot die Worte des Psalms 22 der Bibel, die er natürlich im Herzen und im Kopf hatte.
Wie aber konnte Gott ihn verlassen, wenn er doch selbst auch Gott, Gottes Sohn, war? Und: kann Gott sterben? – Bei meiner Suche nach den richtigen Worten, die dies Unbeschreibliche beschreiben können, komme ich immer wieder auf die so klaren und treffenden Sätze aus einem kleinen Essay der englischen Schriftstellerin Dorothy L. Sayers von 1938 zurück, das der große Theologe Karl Barth ins Deutsche übertragen hat:

Wenn er (Jesus), nur Gott und sonst nichts war, dann hat seine Unsterblichkeit für uns nichts zu bedeuten. Und wenn er nur ein Mensch und sonst nichts war, dann war sein Tod nicht wichtiger als der deine oder meine. War er aber wirklich beides: Gott und Mensch, dann starb Gott, indem der Mensch Jesus starb. Und als der Gott Jesus von den Toten auferstand, da auferstand dann auch der Mensch; denn in ihm waren Gott und Mensch eine Person.
………………………
Wir können diese Lehre erleuchtend nennen oder verheerend. Wir können sie Offenbarung nennen oder auch alten Plunder. Wenn wir sie aber langweilig nennen, dann haben Worte keinen Sinn mehr. Dass Gott des Menschen Tyrann sei, das ist die düstere Meinung unfreier Sklaven. Dass der Mensch des Menschen Tyrann sei, das ist das übliche traurige Lied menschlicher Erbärmlichkeit. Aber dass der Mensch zum Tyrannen Gottes wird und in ihm einen besseren Menschen findet als in sich selber, das ist der Inhalt eines auf alle Fälle erstaunlichen Dramas. Jeder Journalist, der das zum ersten Male hören würde, würde es sofort als „Neuigkeit“ erkennen. Und die das zum ersten Male hörten, nannten es wirklich „Neuigkeit“, und zwar gute Neuigkeit – uns zum Trotz, die wir imstande sind zu vergessen, dass das Wort „Evangelium“ immer etwas so Sensationelles meinte.

(Zit. aus :Das größte Drama aller Zeiten, EVA Berlin 1986).

 

Gehen wir mit offenen Augen, Ohren und Herzen für diese Gute Neuigkeit weiter durch die Karwoche!

Gott behüte und segne uns dabei!

A. Hergenröther

Bibelworte

Jahreslosung
Ich glaube; hilf meinem Unglauben!
(Markus 9,24)

Wort und Klang

Kurzandachten von Pfarrerin A. Hergenröther mit Musik aus Finkenkruger Häusern, an den Feiertagen von Kantor Stephan Hebold

Vorherige Andachten

Wort und Klang vom 17.05.2020

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