Wie reich sind wir Finkenkruger durch unseren Kantor und seine Frau! Mit ihren beiden Chören haben sie uns wieder so ein schönes Konzert bereitet, diesmal aber mit völlig neuem Programm:
Mit den Werken von vier Jubilaren dieses Jahres brachten sie uns die 500-jährige Entwicklung der Kirchenmusik mit ihren weniger bekannten Quellen bis zu uns vertrauten Höhepunkten nahe.
Am Anfang hörten wir Werke von dem vor 500 Jahren geborenen (Giovanni Pierluigi da) PALESTRINA, dem Meister der italienischen Renaissance: Ein Kyrie (wie bei uns im Gottesdienst) mit kunstvoller Fuge und ein Gloria auf den Schöpfer, ehrfürchtig gesungen und aufgenommen. Ihm folgte von (Alessandro) SCARLATTI (vor 400 Jahren gestorben) eine barocke Sinfonia „vom Garten der Liebe“, bei der sich der helle Ton der Trompete von Hans Joachim Brinkjans mit dem der Orgel abwechselte.
Aus diesen und anderen Quellen hat also (Johann Sebastian) BACH (vor 275 Jahren verstorben) geschöpft! Das zeigten uns bei seiner hervorragend interpretierten Triosonate in G-Dur Susanne Böttcher (Querflöte), Therese Härtel (Violine), Andreas Götze (Cello) und Stephan Hebold (Orgel).
Wir stimmten darauf gemeinsam das schöne Maienlied an, das Martin Luther 1538 gedichtet hat. Mit unserem Gotteslob taten wir es der Nachtigall als rechter Sängerin gleich.
Der zweite Teil begann mit einer Pavane des französischen Romantikers Maurice RAVEL (vor 150 Jahren geboren), in der der Tod eines Kindes beklagt und auf der Orgel innig besungen wird.
Dann vereinigten sich die beiden Chöre wieder, um die vierteilige, recht anspruchsvolle Motette „Schaffe in mir, Gott, ein rein Herz“ von Johannes Brahms zu singen. Wir konnten den tiefen Ernst, aber auch den starken Trost dieses Werkes nachempfinden. Der Mut dieser beiden engagierten Chöre, die hierbei bis an ihre Grenzen gingen, gehört anerkannt. Bei den beiden Werken aus Kantaten von Joh. Seb. Bach, die den krönenden Abschluss bildeten, waren die Sängerinnen und Sänger dann richtig zu Hause, und wir ließen uns von ihnen und den Instrumentalisten voll anstecken. Wie kann man denn auch solche Choräle wie „Nun lob, mein Seel, den Herren“ anders als mit innerer Beteiligung hören?
Darum von ganzem Herzen Dank für diese Stunde! Wir können in dieser schwierigen Zeit nichts Besseres tun, als zur Ruhe zu kommen, von Angst und Stress frei zu werden und mit allen Musizierenden tief Atem zu holen.
Claus-Jürgen Wizisla