Um 08.50 Uhr trafen sich die Ausflügler, und in einer Autokolonne ging die Fahrt nach Potsdam. In der Stadt war das Dranbleiben am Vordermann schwierig. Die Gruppe traf sich nach individuellen Odysseen an der Eingangsschranke des Wissenschaftsparks wieder.

Die 16 Teilnehmer wurden um 10.30 Uhr von dem wissenschaftlichen Mitarbeiter
Dr. Redter begrüßt, und alle folgten ihm – vorbei am Alfred-Wegner-Institut (Polarforschung), dem Geoforschungszentrum (mit ca. 1000 Mitarbeitern das größte Institut im Park) bis zum Meteorologischen Institut. Dort gab es einen kurzen Bericht zur Geschichte des Wissenschaftsparks: Mit der optischen Telegrafenstation auf dem 94 m hohen Telegrafenberg fing 1832 alles an. Ein 6 m hoher Holzmast, mit optischem Zeigertelegraf, war die 4. Station auf der 550 km langen Staatstelegrafenlinie nach Koblenz am Rhein.

Nach Aufkommen der elektrischen Nachrichtentechnik wurde die Station überflüssig. Auf Initiative des Astronomen Wilhelm Julius Förster wurde ab 1874 ein Wissenschaftspark angelegt, der sich mit den Themen Astrophysik, Erdmagnetismus und Meteorologie auseinandersetzte. Das Meteorologische Institut steht seit 1874 mit anderen Wetterstationen in Deutschland und Europa in Verbindung.

Im klassizistischen Stil Schinkels entstanden die hierfür notwendigen Institutsgebäude. Die Architektur dieser ockerfarbigen Klinkerbauten – versehen mit Schmuckelementen bestehend aus farbigen, glasierten Ziegeln – begeistern noch heute. Mit Genugtuung wurde deshalb zur Kenntnis genommen, dass der Erhalt der Gebäude sichergestellt ist.

Danach ging es weiter zum Astrophysikalischen Institut, zum großen Refraktor. Dieser imposante Kuppelbau wurde 1899 von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht. Im Inneren besichtigten wir das prächtige, mehrere Tonnen schwere Linsenfernrohr, dessen Objektiv einen Durchmesser von 65 cm hat. Dieses Fernrohr steht heute der Öffentlichkeit für Sternbeobachtungen zur Verfügung. Durch die ausgeklügelte Bewegungstechnik des Fernrohrs kann es sich um seine Achse drehen und durch Schwenkbewegungen gezielt einzelne Sterne anvisieren. Für wissenschaftliche Sternforschung ist der Standort nicht mehr optimal, da die Luftverschmutzung stark zugenommen hat. Heutzutage stehen wissenschaftlich genutzte Fernrohre weltweit in Gegenden mit geringer Emission (z. B. im Hochgebirge).

Unser nächstes Ziel war das Sonnenobservatorium im Einsteinturm. Der Turm wurde vom Architekten Erich Mendelsohn geplant und in den Jahren 1919 bis 1924 gebaut. Der Architekt berücksichtigte die Vorgaben des Astronomen Erwin Finlay Freundlich, den Planer des wissenschaftlichen Turmteleskopes, einem Freund des Physikers Albert Einstein. Das Bauwerk wurde in Mischbauweise errichtet, d. h. das Haupthaus ist aus Ziegeln gemauert, der Kuppelkranz und die Außenmauern der Anbauten sind aus Beton. Aufgrund der unterschiedlichen Ausdehnungen der verwendeten Materialien (ermöglichte das Eindringen von Wasser) zerfiel der Turm relativ schnell und musste erstmals 1937 restauriert werden. Die letzte umfangreiche Sanierung fand 1999 statt. Die äußere Erscheinung des architektonischen Meisterwerkes im expressionistischen Stil, die abgerundeten Bauelemente im Inneren, wirken auf den Betrachter sehr harmonisch. Im Turm befinden sich noch die Originalmöbel, was einfach schön ist.

Das Sonnenteleskop sollte zum Nachweis von Einsteins vorhergesagter Gravitations-Rotverschiebung im Spektrum des Sonnenlichtes dienen. Dieser Versuch jedoch misslang. Das heutige Instrumentatrium des Einsteinturmes ist eine sehr leistungsstarke Sonnenforschungsanlage, die eine hohe spektrale Auflösung sowie hochempfindliche Polarisationsmessungen des Sonnenlichts zulässt. Dadurch spielt es eine wichtige Rolle für die Vorbereitung und den Test von neuen Experimenten und Geräten, die an modernen, großen Sonnenteleskopen zum Einsatz kommen.

Nach ausgiebiger Besichtigung des Einsteinsturms, der beeindruckenden Führung durch Herrn Dr. Redter begab sich die Gruppe zum Biorestaurant Kieselstein. Mit dem Essen im Restaurant waren wohl alle zufrieden, aber nicht mit der Parkmöglichkeit in diesem Viertel von Potsdam. Einige Teilnehmer hatten anschließend Bußgeldbescheide am Auto.

Einen ganz herzlichen Dank gilt es Frau Herder zu sagen, die sehr umsichtig für das Zustandekommen dieses besonderen Erlebnisses gesorgt hatte.

Manfred Baier